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Tag 71-74: Vom Crater Lake nach Eureka

By on Freitag, der 1. Dezember 2017

Sonnenaufgang am Crater Lake
Ich habe extrem schlecht geschlafen die letzte Nacht. Auch wenn es hier oben auf 2300m sehr ruhig und windstill war, so hatte ich doch erhebliche Probleme durchzuschlafen. Ich habe das Gefühl mehrere Stunden wach gelegen zu haben, aber ganz genau kann ich das am Morgen nicht mehr rekapitulieren. Aber da ich ohnehin den Sonnenaufgang fotografieren möchte stehe ich gegen 6:00 auf und packe meine Sachen zusammen. Der Horizont auf der östlichen Seite des Kraters erleuchtet bereits in einem kräftigen Orange. Ich stelle meine Kamera auf und versuche den Sonnenaufgang als Zeitraffer einzufangen.

Es ist sehr kalt diesen Morgen und nachdem ich den Sonnenaufgang mehr oder weniger erfolgreich eingefangen habe, möchte ich im Rim Village etwas frühstücken. Leider bin ich dafür etwas zu früh. Das Restaurant öffnet erst um 10:00 und so lange möchte ich definitiv nicht warten. Ich fahre weiter und hoffe, dass ich etwas weiter bergab ein Lokal finde. Die Abfahrt ist Spektakulär. War der Aufstieg über den Nordeingang sehr gemächlich und nur mit wenigen Kurven, so ist diese Abfahrt nach Süden das exakte Gegenteil. Sie ist gespickt mit scharfen Kurven und ich fahre mit äußerster Konzentration und Vorsicht, da ich befürchte das es an manchen Stellen glatt sein können.

Nach 40km erreiche ich dann endlich ein Café wo ich ausgiebig frühstücke und mich erst mal aufwärme. Nachdem ich mich gestärkt habe geht es mit großer Geschwindigkeit weiter zu meinem heutigen Tagesziel: Eagle Point. Es geht nach wie vor die meiste Zeit bergab und bereits um 15:30 erreiche ich Eagle Point. Da mein Warm Showers Host mich erst später am Abend empfangen kann, fahre ich zunächst zu einem mexikanischen Restaurant um was zu essen und mich um ein paar überfällige Blog Updates zu kümmern.

Als ich gegen 19:00 bei Sue auftauche, ist sie etwas überrascht mich zu sehen. Aber glücklicherweise ist das überhaupt kein Problem und sie hat noch ein Zimmer und Bett für mich frei obwohl bereits zwei weitere Radreisende (Emma und Kyle) zu Gast sind. Sue genießt es sichtlich Gäste im Haus zu haben. Sie reist selbst sehr viel und ist gerade zurück von einem mehrwöchigen Trip nach Arizona. Allerdings hat sie das nicht mit dem Fahrrad gemacht sondern in ihrem Camper.

Von Eagle Point nach Selmac Lake
Es dauert lange bevor die anderen im Haus aufstehen. Erst nach 8:00 kommen auch Emma und Kyle aus ihrem Zimmer. Sue besteht darauf, uns erst wieder loszulassen, wenn wir ordentlich gefrühstückt haben. Es gibt Rührei mit selbstgemachter Wurst und Speck. Die Portion ist für mich zwar etwas kleiner als mein übliches Frühstück, aber ich kann ja unterwegs nochmal anhalten. Bevor es losgeht schießen wir noch ein Abschiedsfoto, wobei Sue nicht mit aufs Foto möchte. Sie hat ihre Haare heute Morgen noch nicht gemacht.

Emma, Kyle and me at Sue’s place

Als ich endlich wieder unterwegs bin macht sich auch schon bald der Hunger bemerkbar. In Gold Hill nach ca. 25km stoppe ich zunächst bei einem Supermarkt um ein wenig frisches Obst zu kaufen. Zu meiner Verwunderung gibt es dort allerdings überhaupt keine Frischeprodukte. Müsliriegel sind noch das gesündeste was ich hier auftreiben kann. Letztlich entscheide ich mich dann aber doch in eines der Restaurants zu gehen und was warmes zu essen. Die Wahl fällt auf Patti’s Kitchen und einen Chilli con Carne Burger.

Auch wenn ich jetzt eigentlich gestärkt sein sollte, komme ich danach nicht mehr so richtig in Schwung. Die Energie mal zwei Stunden am Stück oder länger durchzuradeln fehlt mir heute einfach. Sue hatte mir geraten nicht wie ursprünglich von mir geplant in Cave Junction zu übernachten sondern noch bis Patricks Creek weiterzuradeln. In Cave Junction gebe es aufgrund von kommunaler Sparmaßnahmen keine Polizeipatrouillen und ich sollte den Ort möglichst zügig passieren und sicherlich nicht in Nähe des Ortes campen. Allerdings muss ich mir eingestehen, dass ich es heute nicht mal bis Cave Junction schaffe, es sei denn ich fahre noch nach Sonnenuntergang weiter und darauf habe ich erst recht keine Lust. Als ich in Selma nochmal halte um meine Vorräte aufzufüllen empfiehlt mir der Kassierer im Supermarkt den Zeltplatz am nahegelegenen See. Der See heißt komischerweise Lake Selmac wobei die Stadt bzw. die Siedlung Selma heißt. Ich frage mich, ob die unterschiedlichen Namen eine Bedeutung haben oder ob der Schildermacher ein paar Drinks zu viel intus hatte und sich das ganze so manifestiert hat. Ich könnte Google fragen, aber ich habe mal wieder kein Netz als ich abends im Dunkeln am See ankomme. Ich schlage mein Nachtlager auf und koche mir noch was ehe ich mich früh schlafen lege.

Zelten zwischen Riesen
Heute schaffe ich es mal wieder früh aufzubrechen. Als ich den Zeltplatz morgens noch vor 8:00 verlasse ist der nahegelegene See noch in dichten Nebel gehüllt und kaum zu erkennen. Auch als wenig später wieder den Highway erreiche herrscht noch geringe Sicht aufgrund des Nebels. Ich hoffe, dass mein Rücklicht stark genug ist, um von den Autos diesen Morgen rechtzeitig gesehen zu werden. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass meine Beine schon nach kurzer Zeit mit Wassertropfen überzogen sind. Nach ca. einer Stunde auf dem Rad erreiche ich schließlich Cave Junction. Der raue und wilde Ort, wie ich ihn mir aufgrund der Erzählungen von Sue vorgestellt habe, entpuppt sich als recht beschaulich und zumindest morgens harmlos. Da ich heute Morgen ohne Frühstück aufgebrochen bin, stoppe ich bei einem Organic Food Market um was zu essen und mal wieder ein Blog Update zu schreiben. Am Ende verbringe ich beinahe 3 Stunden in dem Laden ehe ich wieder aufbreche.

Von nun an ist es nicht mehr weit bis Kalifornien. Vorfreude macht sich breit. Kurz nachdem ich das Grenzschild passiert habe, weist ein Schild auf die Agrarkontrolle in ein paar 100 Metern hin. Ich hatte vor ein paar Tagen noch davon gelesen und mir vorgenommen, alle frischen Lebensmittel bis dahin aufzubrauchen. Dummerweise habe ich allerdings gestern in Selma wieder Obst und Gemüse gekauft und schleppe dieses nun noch mit mir rum. Ich stoppe am Seitenstreifen und verdrücke auf die Schnelle eine Banane und einen Apfel und stelle mich darauf ein, dass ich Knoblauch, Zwiebel und das restliche Obst gleich entsorgen kann. Glücklicherweise werde ich an der Kontrolle freundlich durchgewunken ohne überhaupt gefragt zu werden, ob ich frische Lebensmittel geladen habe. Ich kann mein Glück kaum glauben und befürchte so lange der Posten noch in Sichtweite ist, dass vielleicht doch ein Spürhund die Witterung für den Knoblauch oder Zwiebel aufnimmt. Dem ist natürlich nicht so und so radel ich kurze Zeit später entspannt durch Kalifornien.

Übernachten möchte ich heute im Jedediah Smith Redwood State Park. Es ist schon spät, als ich den Park ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang erreiche. Und sobald ich den dichten Wald mit diesen riesen Bäumen betrete wird es deutlich dunkler. Die riesigen Bäume schlucken eine Menge Licht. Es ist ein erhebendes Gefühl durch dieses Spalier von imposanten Redwoods zu fahren. Manche dieser mächtigen Bäume sind über 2000 Jahre alt. Nach einem Stopp beim Stout Grove Trailhead, mache ich mich auf die Suche nach einem Nachtlager. Die Sonne ist mittlerweile untergangen und ich muss mich sputen, um nicht bei völliger Finsternis mein Zelt aufzuschlagen. Glücklicherweise entdecke ich eine abgesperrte Straße mit einem geeigneten Platz für ein sicheres Nachtlager. Hier werde ich sicherlich nicht von Rangern entdeckt und hoffentlich auch nicht von unliebsamen Tieren.

Wer hat an der Uhr gedreht?
Ich möchte vor dem Sonnenaufgang aufstehen, um verschwunden zu sein, bevor vielleicht doch ein Ranger auftaucht. Da in Deutschland dieses Wochenende die Uhren auf Winterzeit umgestellt werden, stelle ich den Wecker eine Stunde früher als gewöhnlich um dem entgegen zu wirken. Als ich dann allerdings um 5:30 geweckt werde und aus dem Zelt schaue muss ich erkennen, dass es immer noch sehr dunkel ist. So langsam dämmert mir, dass die Amerikaner ein oder zwei Wochen länger Sommerzeit genießen. Ich kann also noch eine Stunde länger schlafen. Eine Stunde später stehe ich dann tatsächlich auf und verlasse meinen Zeltplatz ohne Frühstück. Das hole ich dann allerdings bereits nach ein paar km bei der ersten Picknick Gelegenheit nach.

Heute sind zwei größere Berge zu erklimmen. Der erste startet kurz nach Beginn der heutigen Etappe und der zweite folgt dann später im Redwoods National Park. Insgesamt kommen so zwar mal wieder einige Höhenmeter zustande, die sich aber glücklicherweise nicht allzu anstrengend anfühlen. Nachdem ich gestern bereits Redwoods gesehen habe, ist die Fahrt durch den Redwood National Park nicht mehr so spektakulär, wenn auch immer noch beeindruckend. Ein Highlight sind allerdings die Roosevelt Elche, die man hier antrifft. Sie sind etwas kleiner als die skandinavischen Verwandten machen aber trotzdem ordentlich Eindruck. Am Humboldt Lagoons State Park blockiert eine ganze Herde den Verkehr für mehrere Minuten als sie die Straße kreuzen. Sie ziehen in einem gemächlichen Tempo über die Straße und lassen sich auch nicht von den vielen wartenden Autos irritieren. Glücklicherweise sind sie auch nicht von mir irritiert, als ich die Chance ergreife, die Straßenblockade zu durchbrechen und in wenigen Metern Abstand an den Elchen vorbei fahre.

Nach zwei Nächten im Freien, schlafe ich heute Nacht mal wieder bei einem Warm Showers Host. Es ist kurz nach 18:00 als ich in Eureka bei meiner Herberge eintreffe. Da mein Host noch nicht da ist, entscheide ich mich dazu noch eine Runde laufen zu gehen um zu testen, ob ich den Halbmarathon in wenigen Tagen weiterhin einplanen kann. Es sind zwar nur 5km die ich in Laufschuhen zurücklege, aber nach den fast 130km auf dem Rad bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und optimistisch gestimmt, dass ich in einer Woche in San Francisco an den Start gehen kann.

Als Dick, mein Host später eintrifft, essen wir noch etwas gemeinsam. Von einem Halloween Konzert, dass er heute Abend geleitet hat, hat er auch noch jede Menge Gebäck mitgebracht, was wir verzehren während ich von meiner Tour bislang berichte. Es ist gemütlich und wir sitzen noch lange zusammen. Würde ich zelten, würde ich jetzt schon lange im Schlafsack liegen. So wird es allerdings fast 23:00 ehe ich mich ins Bett lege.

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1 Comment
  1. Antworten

    Barrie

    Samstag, der 2. Dezember 2017

    Immer wieder schön deine blogs zu lesen und die Fotos dazu zu sehen. Ich bin schon wieder gespannt auf der Nächste, ohne dich unter Druck setzen zu wollen. Bis dahin wünsche ich dir viele gute Erfahrungen und Inspiration!

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