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Tag 68-70 von Roseburg nach Crater Lake

By on Donnerstag, der 30. November 2017

Ein schmerzhafter Tag
Bereits morgens beim Beladen meines Rads merke ich, dass meine Muskeln nicht in Bestform sind und all das Magnesium, dass ich seit gestern Abend genommen habe (noch) nichts genützt haben. Ich fahre sehr vorsichtig los, muss allerdings bereits nach ca. 200m wieder absteigen. Die Schmerzen insbesondere im rechten Oberschenkel sind so stark, dass ich unmöglich weiter pedalieren kann. Ich setze mich erst mal auf den Asphalt eines Parkplatzes und versuche anschließend meine Muskeln in alle möglichen Richtungen zu dehnen. Nach ca. 10 Minuten wage ich den nächsten Versuch und schaffe es dieses Mal bis zu einem kleinen Restaurant am Ortsausgang von Roseburg. Der Tacho hat bislang ganze 2km gezählt und die waren fast ausschließlich bergab.

Im Restaurant verbringe ich letztlich fast 3 Stunden ehe ich den nächsten Versuch wage. Ich habe mittlerweile sicherlich 6 von diesen Magnesium Pillen geschluckt- was deutlich über der empfohlenen Tagesdosis liegt. Von meinem ursprünglichen Plan, heute bis zum Diamond Lake zu radeln (über 100km) bin ich mittlerweile abgerückt und habe in der Verzweiflung noch versucht eine Übernachtung bei einem Warm Showers Host in der Nähe zu organisieren, was leider auch nicht von Erfolg gekrönt ist. Die Schmerzen sind nach wie vor vorhanden und ich muss bei jeder Pedalumdrehung auf die Zähne beißen. Immer wieder muss ich absteigen und mich für ein paar Minuten ausruhen und dehnen ehe ich wieder auf das Rad steige und den nächsten Abschnitt in Angriff nehme. Das Auf- und Absteigen fällt dabei besonders schwer. Glücklicherweise werden die Abschnitte die ich Radeln kann immer größer und nach ca. 20km kann ich endlich wieder unterbrechungsfrei, wenn auch immer noch unter spürbaren Schmerzen, radeln.

Als ich in Glide für eine kleine Stärkung anhalte, schreibt mir Abe von Warm Showers und entschuldigt sich, dass er mich nicht beherbergen kann. Er erkundigt sich, wo ich plane die Nacht zu verbringen. Ich habe mir als Ziel Susan Creek herausgesucht. Das sind noch ca. 20km und mittlerweile habe ich auch wieder die Zuversicht, dass das tatsächlich klappen kann. Ca. 10km bevor ich dieses Ziel erreiche, überholt mich ein roter Truck und hält kurz vor mir. „Are you Martijn?“ ruft mir der Fahrer zu. Es ist Abe, der Warm Showers Host. Er hat Feuerholz, Sandwich, Chips und Bier für mich besorgt und will schon mal zum Zeltplatz vorfahren um das Lagerfeuer in Gang zu setzen. Ich bin überwältigt – damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Mit zusätzlicher Motivation trete ich in die Pedale und die schlimmen Schmerzen, die mich heute Morgen noch verzweifeln ließen, sind mittlerweile kaum mehr spürbar. Als ich den Zeltplatz erreiche, hat Abe das Lagerfeuer bereits in Gang gesetzt. Er und seine Frau sind Lehrer und müssen unter der Woche immer früh raus (bzw. auch früh schlafen) weswegen sie nur am Wochenende Biker beherbergen können. Anscheinend war meine Story so interessant, dass er trotzdem extra rausgefahren ist um mich hier im Zeltplatz zu beherbergen. Wir unterhalten uns noch bis ca. 20:30h ehe Abe aufbrechen muss, um für den nächsten Tag fit zu sein. Aber bevor er aufbricht, drückt er mir noch 100$ in die Hand. Meine Versuche, dies auszuschlagen schlagen fehl. Er besteht darauf, dass ich es annehme.

Abe brought me food, beer and setup the campfire

Es war ein ereignisreicher Tag mit sehr starken Stimmungsschwankungen. Mehrfach hatte ich heute das Verlangen, mich einfach nur in den Straßengraben zu legen und aufzugeben. Sich selber aus diesen Tälern wieder rauszuziehen fiel unglaublich schwer. Zum Glück gab es die eine oder andere aufmunternde und mitfühlende WhatsApp Nachricht aus der Heimat. Das Highlight des heutigen Tages war aber sicherlich als Abe am Straßenrand aufgetaucht ist. Es ist einfach toll um die Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit der Menschen hier zu wissen. Die Schmerzen sind immer noch spürbar, aber die Motivation und die Zuversicht sind am Ende des Tages zurück.

Ein Dieb im Camp
Es ist ein ungewohntes Gefühl nach längerer Zeit mal wieder im Zelt aufzuwachen. Ich habe gut geschlafen und bin erholt. In den Beinen verspüre ich nach wie vor eine leichte Angespanntheit, aber ist bereits bedeutend besser geworden. Vorsichtshalber werde ich jedoch die nächsten Tage weiterhin ordentlich Magnesium Pillen schlucken in der Hoffnung, dass das hilft das Problem auf Abstand zu halten. Auch das Wetter sieht heute vielversprechend aus. Der Himmel ist klar und sobald ich den Schatten der hohen Bäume verlasse, sollten die Temperaturen heute auch spürbar steigen. Das gute Wetter nährt die Hoffnung, dass der Nordeingang zum Crater Lake, der aufgrund von Neuschnee am Wochenende gesperrt wurde, doch wieder geöffnet wird. Sollte dieser geschlossen bleiben, muss ich einen ordentlichen Umweg einplanen, der nicht nur lang ist sondern auch deutlich knackigere Steigungen bereithält.

Während meines Frühstücks bekomme ich Besuch von ein paar Waldbewohnern. Mehrere Erdhörnchen rennen flink durch das Camp auf der Suche nach essbarem. So niedlich diese kleinen Geschöpfe auch sind, nach einer Weile werden sie doch ein wenig anstrengend. Ich muss meine Lebensmittel ständig im Auge behalten und gegen die Eindringlinge verteidigen. Wobei wahrscheinlich eher ich der Eindringling bin.

Auf der heutigen Etappe komme ich zunächst sehr gut voran. Ich halte das Tempo bewusst etwas niedriger, um meine Muskeln nicht gleich wieder zu sehr zu stressen. Die meiste Zeit geht es bergauf, glücklicherweise allerdings nicht allzu steil. An vereinzelten, schattigen Stellen findet sich noch ein wenig Schnee in der Böschung. Aufgrund der hohen Bäume bekomme ich heute Morgen nur dann ein paar Sonnenstrahlen ab, wenn die Straße einen Schlenker gen Osten, bzw. im Verlaufe des Tages nach Süden macht. Gegen frühen Nachmittag schwindet so langsam meine Energie und ich fühle mich regelrecht schlapp. Ich muss mehrfach stoppen, um ein wenig Energie zu tanken. Das führt sogar so weit, dass ich mich an einer geschützten Stelle für ca. 30 Minuten auf den warmen Asphalt einer Seitenstraße lege und kurzzeitig einnicke. Ich beschließe, die heutige Etappe etwas früher als geplant zu beenden und steuere den nächstgelegenen Zeltplatz an.

Der Zeltplatz liegt direkt an den Clearwater Falls. Da es dort kein fließendes Trinkwasser aus der Leitung gibt, werde ich heute zum ersten Mal meinen Wasserfilter ausprobieren. Wahrscheinlich könnte man das Wasser aus dem Wasserfall auch ungefiltert trinken, aber sicher ist sicher. Nachdem ich meine Wasserflaschen aufgefüllt und zu Abend gegessen habe, gehe ich heute noch früher als sonst schlafen.

Clearwater Falls

Neue Höhen
Als ich am nächsten Morgen aufwache verspüre ich leichte Kopfschmerzen. An der Höhe kann es eigentlich nicht liegen. Ich hoffe, dass keine Grippe oder ähnliches im Anmarsch ist. Ich komme dann auch nur sehr mühsam und langsam in die Gänge. Obwohl ich früh aufgestanden bin, dauert es bis 9:30h ehe ich endlich aufbreche. Das Frühstück und die ordentliche Flüssigkeitszufuhr diesen Morgen scheinen allerdings zu helfen. Die Kopfschmerzen sind bereits nach den ersten paar Metern auf dem Fahrrad nicht mehr zu spüren.

Wieder ist es sehr kalt diesen Morgen, da die Sonne nicht durch die Bäume bis zu mir vordringt. Ich muss sogar meine Handschuhe anziehen um der morgendlichen Kälte zu trotzen. Als ich jedoch schließlich den tiefen Wald verlasse und in der Nähe des Diamond Lake ankomme steigen die Temperaturen wieder auf angenehme Temperaturen. Im Ressort am Diamond Lake mache ich eine längere Mittagspause und versuche herauszufinden, ob der Nordeingang mittlerweile wieder geöffnet wurde. Leider kann mir weder die Dame an der Rezeption weiterhelfen, noch liefert die Internetseite des Crater Lake entsprechende Updates und telefonisch sind die Ranger nicht zu erreichen. Ich beschließe, es einfach zu versuchen. Im schlimmsten Fall, hätte ich einen Umweg von ca. 10km gemacht. Dieses Risiko ist es mir wert.

Und tatsächlich ist die Nordroute wieder offen. Das Zufahrtshäuschen ist zwar nicht besetzt aber es gibt keinerlei Zeichen, dass die Straße gesperrt wäre. Soweit ich die Straße überblicken kann, sieht sie geräumt und befahrbar aus. Das Schild am Eingang ist mit Frischhaltefolie eingewickelt. Ich nehme an, dass so entweder winterfest gemacht wird, oder für bereits für den Abtransport vorbereitet wurde. Die nächsten km geht es gemächlich bergauf durch eine karge Landschaft. Nur vereinzelt sind ein paar Bäume zu sehen und die Sonne steht nun hoch am Himmel und wird nur ab und zu von ein paar Wolken geblockt. Als ich dem Krater näher komme, macht sich Vorfreude breit. Wie es scheint, habe ich ein perfektes Zeitfenster erwischt. Die Kraterspitzen sind noch mit Schnee vom letzten Wochenende bedeckt , dazu gibt es Sonne und einen blauen Himmel.

Nachdem ich bis zum Sonnenuntergang diverse Fotos gemacht habe, schlage ich schließlich mein Zelt hinter ein paar Bäumen unweit des Kraters auf. Ich befinde mich genau am westlichen Ende des Kraters, so dass ich morgen früh die perfekte Position haben sollte, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Ich werde heute Nacht auf ca. 2300m Höhe übernachten. Das ist das bis dato höchste Nachtlager dieser Tour.

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2 Comments
  1. Antworten

    Jaap

    Freitag, der 1. Dezember 2017

    Hoi Martijn!
    Pittige ervaringen. Fysiek en mentaal. Mooi hoe je beschrijft hoe je er mee omgaat. En wat heerlijk dat er dan onverwacht hartverwarmende mensen opduiken. Waarschijnlijk is dat nog indrukwekkender dan de prachtige uitzichten op de krater.
    Mijn eigen fietservaring is dat een strakke regelmaat van eten, drinken, rusten (slapen dus ook) en belasting (afstanden en hoogtemeters) helpen om zo’n ongewoon langdurige belasting van je lijf uit te houden. En er aan te wennen. Wat ik ook ken is het effect van een aantal aaneengesloten rustdagen. Het effect van de training blijft, maar je lijf rust wel even echt uit. Na zo’n pauze fietste ik als een jonge god :-). Overcompensatie heet dat geloof ik.
    En hardlopen? Dat lijkt me geen goede combinatie met fietsen. Ik zou liever gaan schaatsen als er al ijs ligt :-).

    Zet um op!

    • Antworten

      Martijn

      Freitag, der 1. Dezember 2017

      Ja, ik probeer nu vaker te rusten en kortere etappes te doen. Maar het blijkt niet enkel maar rust te zijn die ik nodig heb, maar ook stretching om te voorkomen, dat mijn spieren verkorten als ik de hele dag gebukt op de fiets zit. En hardlopen kan hier eerder dan schaatsen. 😉

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