Full Story Travel USA

Tag 60 – 64: Von Seaside nach Coquille

By on Donnerstag, der 16. November 2017

Im Sprint von Seaside nach Tillamook
„Du willst um 19:00 hier in Tillamook sein? Das ist ambitioniert!“ antwortet mir Bruce, mein Warm Showers Host für die heutige Nacht, am Telefon als er mich gegen 14:00 anruft um zu erfahren wo ich gerade bin und wann ich ungefähr bei ihm ankommen werde. Ich bin zu diesem Zeitpunkt immer noch in Seaside in der Wohnung von Neil. Ich habe den Morgen damit verbracht, Wäsche zu waschen und ein paar Dinge im Haus für Neil zu erledigen worum er mich gebeten hatte. Aber im Wesentlichen, habe ich es einfach mal wieder gemütlich angehen lassen und verspüre eigentlich das Verlangen nach einem weiteren Ruhetag. Als heutiges Etappenziel hatte ich mir Tillamook rausgesucht. Ich bin der Meinung, dass es bis Bruce nur etwas mehr als 60km sind, aber nach dem Telefonat mit Bruce bin ich etwas stutzig. Ich habe der Angabe aus der Warm Showers App vertraut, die gibt allerdings nur die Entfernung in Luftlinie an. Als ich die tatsächliche Route plane, zeigt mir Google Maps 85km an.

Nun muss ich mich also wirklich beeilen. Ich benötige noch ca. weitere 30 Minuten bis ich startklar bin und lege gleich entsprechend los. Mir bleiben ca. 4 1/2 Stunden für die heutige Etappe um zur prognostizierten Zeit anzukommen. Zu Beginn stehen noch drei mittelschwere Hügel mit jeweils ca. 150 bis 200 Höhenmetern an. Nachdem ich diese geschafft habe, geht es im Wesentlichen nur noch bergab bzw. flach weiter. Nach der Hälfte der Strecke liege ich immer noch gut in der Zeit und ich schreibe Bruce eine SMS, dass ich sehr wahrscheinlich wie prognostiziert um 19:00 bei ihm aufschlagen werde. Er antwortet, dass die Pizza dann bereit stünde. Grandios! Ich trete weiterhin ordentlich in die Pedale und habe in Tillamook sogar noch Zeit um im Liquor Store zwei Flaschen Craft Beer zu besorgen.

Ziemlich pünktlich um 19:00 erreiche ich dann schließlich das Haus von Bruce und schiebe mein Fahrrad in die Garage. Er bietet mir gleich ein Bier an und ich möchte das Angebot mit dem Craft Beer kontern. Allerdings scheine ich nicht unbedingt seinen Geschmack getroffen zu haben und so trinken wir jeweils eines seiner Biere aus dem Kühlschrank. Während wir die Pizza essen kündigt sich noch eine weitere Radfahrerin für die Nacht an. Sie heißt Emily und stößt erst später am Abend zu uns. Emily ist vor einigen Wochen in Vancouver gestartet und möchte bis zur mexikanischen Grenze radeln.

Forelle zum Frühstück

Abschiedsfoto mit Bruce und Emily

Bereits am Abend zuvor hat Bruce angekündigt, dass es morgen früh Forelle und Eier zum Frühstück geben wird. Das ist das ungewöhnlichste Frühstück meiner bisherigen Reise aber es ist auch super lecker und mal eine willkommene Abwechslung zum routinemäßigen Oatmeal. Bruce gibt uns noch einige Tipps, welche offiziellen Routenempfehlungen wir folgen bzw. lieber verwerfen sollten. Da Emily auch entlang der Oregon Coast radeln möchte, beschließen wir zumindest die ersten km zusammen zu radeln. Bruce sagt im Scherz zu mir, dass ich nicht allzu lange mit ihr radeln sollte, wenn ich zügig vorankommen möchte. Emily hatte am Abend erzählt, dass sie bislang eher kürzere Etappen gemacht hat und wirkte in ihrer Reiseplanung weniger zielstrebig als ich.

Die ersten gemeinsamen km auf der Straße rollen dann allerdings sehr flüssig und ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass ich Tempo rausnehmen müsste. Nach ca. 35km erreichen wir Cape Kiwanda. Es ist ein herrlicher Strandabschnitt und die Szenerie mit der diesigen Luft, den Wellen und den Bergen im Hintergrund ist traumhaft. Wir ziehen unsere Radschuhe aus und laufen ein wenig durch den Sand und halten unsere Füße kurz ins Wasser. Die Surfer tragen hier nicht ohne Grund Neoprenanzüge – das Wasser ist sehr kalt. Der Ort lädt zum Verweilen ein, aber wir wollen weiter. Wobei wir zunächst nicht so viele km zurücklegen. Bruce hat uns für einen Stopp zum Mittag die Greatful Bread Bakery in Pacific City empfohlen. Die ist nur knappe 3km vom Strand entfernt. Wir essen beide eine Muschelcreme Suppe, wobei ich eine größere Portion bestelle und auch noch einen Scone zum Nachtisch nehme. Da die ersten 38km des heutigen Tages vielversprechend verlaufen sind, einigen wir uns darauf heute gemeinsam bis nach Lincoln City zu radeln. Dann haben wir etwas mehr als 80km geschafft. Ursprünglich hatte ich eigentlich geplant eine größere Strecke zurückzulegen, aber ich sollte es ohnehin mal etwas ruhiger angehen und ein wenig Gesellschaft nach mehreren Wochen alleine auf dem Rad sind eine willkommene Abwechslung. Den Zeltplatz in Lincoln City erreichen wir noch deutlich vor der Dämmerung, das habe ich schon lange nicht mehr geschafft.

Songs from the Road
Das Wetter ist aktuell der größte Motivator zügig südwärts weiter zu radeln. Ein großes Regengebiet nähert sich aus nord-westlicher Richtung und wird uns mit aller Wahrscheinlichkeit spätestens morgen im Laufe des Tages eingeholt haben. Die ersten Ausläufer werden wir aber bereits heute zu spüren bekommen. Es ist bewölkt und diesig aber glücklicherweise sind die Temperaturen immer noch sehr angenehm, wenn auch nicht wirklich warm.

Die heutige Route führt fast die gesamte Zeit direkt an der Küste entlang. Und auch wenn die Sonne nicht rauskommen möchte, sind die Ausblicke an den diversen View Points die wir heute ansteuern wieder atemberaubend schön. In der Nähe des Otter Rock können wir tatsächlich auch ein paar Otter im Wasser entdecken – leider ist das Wetter zu diesig als das ich das Objektiv meiner Kamera wechseln könnte (Regen könnte auf den Sensor fallen). Daher gibt es leider keinen bildhaften Beweis dafür.

Newport ist die erst größere Stadt durch die wir heute fahren und wir machen eine längere Pause bei einer Panini Bäckerei. Emily scheint nicht so großen Hunger zu haben und macht sich nach einem kleinen Snack alleine auf den Weg um ein wenig zu shoppen. Sie benötigt ein neues Schloss, da sie ihr Altes leider zerstören musste, nachdem sie ihren Schlüssel verloren hatte. Da ich ohnehin ein Blog Update schreiben möchte ist mir das Recht und wir verabreden, dass sie mich im Anschluss an ihre Besorgungen wieder in der Bäckerei abholt. Ich verbringe derweil meine Zeit mit dem Blog Update und esse mehrere Scheiben Pizza. Ich entdecke eine Tüte mit 8 Paninis vom Vortag für 5$. Das klingt nach einem guten Deal also schlage ich zu. Heute Abend muss ich also nicht kochen.

Als Emily nach über einer Stunde wieder auftaucht, radeln wir gemeinsam weiter. Als Ziel der heutigen Etappe haben wir mittlerweile Beachside ausgemacht. Der Weg dorthin ist äußert flach, aber der Wind bläst zum Teil schon recht ordentlich und auch der Nieselregen fällt mittlerweile ohne Unterbrechung und lässt erst nach kurz bevor wir den Zeltplatz erreichen. Dort treffen wir John einen anderen Biker, der den Highway in anderer Richtung fährt. Nachdem wir alle unsere Zelte aufgebaut haben versammeln wir uns am Picknick Tisch. Jon hat im Gegensatz zu Emily und mir bereits ein paar Bierchen getrunken und wohl auch ein paar andere in Oregon legal erwerbbare Substanzen genossen. Dementsprechend lustig gestaltet sich die Runde. Wir diskutieren über Transgender, Donald Trump und landen schließlich zum Glück beim leichterem Thema: Musik, bzw. Ohrwürmer. Wie es scheint hat jeder von uns ein paar Songschnipsel, die je nach Situation oder Landschaft automatisch ins Ohr schießen. Bei mir sind das im Wesentlichen die folgenden Lieder:
– Howard Shore – Misty Mountains (the hobbit soundtrack)
– Midnight Oil – Beds are Burning (wobei „beds“ je nach aktueller Belastung durch diverse geschundene Körperteile ersetzt wird)
– Pam Pam Ida – Schultertanz (wird für ähnliche Therapiezwecke wie Beds are Burning genutzt allerdings für Verspannung weiter oben im Körper)
Emily pflanzt uns beiden aber an diesem Abend noch sehr erfolgreich „How Far I’ll Go“ vom Moana Soundtrack ein. Dieser Song hat durchaus Potential in den nächsten Tagen noch häufiger „gespielt“ zu werden, wenn ich weiter an der Küste entlang fahre. Zum Ausklang des Abends kramt Emily noch ihre Ukulele hervor und spielt ein paar Töne ehe wir dann alle heiter aber doch sehr müde uns in unsere Zelte zurückziehen.

Abschied nehmen
Am nächsten Morgen haben wir ein wenig mehr Zeitdruck als die vorherigen Tage. Emily hat beschlossen in Florence den Bus nach Eugene zu nehmen und wir wollen spätestens um 13:00 da sein. Bis nach Florence sind ca. 50km zu bewältigen und wir brechen daher wie geplant um 9:00 Uhr auf so dass wir den Tag gemütlich angehen können und auch noch den ein- oder anderen Stopp machen können. Das Wetter ist heute noch trüber als gestern und auch die Landschaft ist nicht ganz so spektakulär wie ich das von den ersten Tagen in Oregon gewohnt bin. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Letztlich sind wir aber glaube ich beide froh, als wir noch vor 13:00 Uhr Florence erreichen und ein Café gegenüber der Bushaltestelle zum Aufwärmen finden. Wir haben noch ein wenig Zeit bis der Bus tatsächlich kommt und Emily nutzt diese Zeit um aus den klammen Radklamotten in etwas komfortablere und trockene Kleidung zu schlüpfen. Ein wenig beneide ich sie darum, dass sie jetzt gleich in den Bus steigt und heute Nacht in einem richtigen Bett schlafen kann. Ich weiß noch nicht, wie weit ich heute radeln werde und wo ich übernachten werde, aber wegen des anrollenden Regens sollte ich versuchen soweit südwärts wie möglich zu kommen.

Aber erst schießen wir noch ein gemeinsames Abschiedsfoto. Kurz danach steigt Emily in den Bus und ich gehe zunächst wieder ins Café und lasse mir noch ein paar Mal Kaffee nachschenken bevor ich mich endlich aufraffe und von nun an wieder alleine weiter fahre. Südlich von Florence befindet sich Oregon Dunes National Recreation Area. Ein Dünenabschnitt der 130 Quadratkilometer umfasst. Für mich ist dieser leider nicht wirklich einsehbar, da ich weiterhin auf dem Highway 101 bleibe und bei dem weiterhin schlechten Wetter keine wirkliche Lust habe vom Rad abzusteigen und durch die Dünen zu laufen. Stattdessen fahre ich weiter bis nach Winchester Bay und erreiche den Zeltplatz kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Der Camping Host (eine Dame) empfängt mich euphorisch und zeigt mir den Weg zu den Zeltplätzen für Radfahrer und preist die warmen Duschen an. Nachdem ich allerdings mein Zelt aufgebaut und gegessen habe, bin ich tatsächlich zu müde bzw. faul um noch zu duschen und beschließe das auf morgen zu verschieben.

Der Regen ist da
Der Regen, der mir schon seit einigen Tagen im Nacken sitzt, ist nun endlich da. Irgendwann in der Nacht hat es angefangen und seitdem auch nicht mehr aufgehört. Der Schlafsack fühlt sich klamm an und im Innenzelt hängen deutlich mehr und dickere Tropfen als sonst. Ich bin mir nicht sicher, ob das wie üblich Kondenswasser ist oder es doch ein wenig reingeregnet hat. Da es auf dem Zeltplatz keinen Unterstand zum Kochen gibt, entscheide ich ohne Oatmeal in den Tag zu starten und esse stattdessen nur eine Banane. In Coos Bay nach ca. 35km gibt es mehrere Restaurants und Cafés wo ich stattdessen stoppen möchte.

Als ich nach ca. 3 Stunden dort ankomme bin ich vollständig durchnässt – trotz wasserdichter Socken, Regenhose und Regenjacke. Regenhose und -jacke hänge ich im Café über einen Stuhl zum Trocknen bzw. Abtropfen. Ich verbringe einige Zeit im Café, da ich gut in der Zeit liege und nicht zu früh in Coquille bei meinem heutigen Warm Showers Host auftauchen möchte. Eigentlich wäre ich heute gerne etwas weiter landwärts Richtung Crater Lake geradelt, aber die Aussicht nach einem verregneten Tag in meinem bereits klammen Zelt schlafen zu müssen, fand ich nicht so sinnvoll. Daher habe ich mich entschieden, lieber etwas weniger zu radeln und dafür den Vorteil einer warmen Dusche und eines trockenes Bettes zu genießen.

Ca. 10km außerhalb von Coos Bay verlasse ich den Highway 101 und nehme die 42 Richtung Coquille. Die Verkehrsgabelung ist nochmal ein kniffliger Punkt aber danach radelt es sich die meiste Zeit doch sehr entspannt. Aufgrund des schlechten Wetters fällt es mir heute schwer die Landschaft zu genießen. Mein Fokus liegt darauf so zügig wie möglich voranzukommen um nicht länger als notwendig dem schlechten Wetter ausgesetzt zu sein. Pünktlich um 17:00 erreiche ich William’s Haus in Coquille. Wir hängen gemeinsam das Zelt zum Trocknen auf und dann nehme ich zügig eine warme Dusche. Noch nie war diese so dringend und angenehm wie heute.

TAG
RELATED POSTS
+++ it ain’t till it’s over +++

Mittwoch, der 5. Dezember 2018

+++ Interview with Argentinian television +++

Donnerstag, der 1. November 2018

+++ Lago de Titicaca +++

Dienstag, der 30. Oktober 2018

+++ last night in Cusco +++

Samstag, der 6. Oktober 2018

+++ visiting Macchu Picchu +++

Montag, der 1. Oktober 2018

+++ sprinting through the Andes towards Cusco +++

Montag, der 1. Oktober 2018

+++ arrived in Huancayo – my plan for the next three months +++

Sonntag, der 16. September 2018

+++ great hospitality on the way to Cajamarca +++

Freitag, der 24. August 2018

+++ finally in Peru +++

Freitag, der 17. August 2018

1 Comment
  1. Antworten

    Katze

    Freitag, der 24. November 2017

    😁

Kommentar verfassen