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Tag 51-52: Die letzten Tage in Kanada

By on Freitag, der 27. Oktober 2017

Reparaturarbeiten
„Guten Morgen! Du hast einen Platten.“ begrüßt mich Dug als ich diesen Morgen die Küche betrete. Ich bekomme also bereits viel früher als erhofft die Gelegenheit meine Fertigkeit im Reifenflicken zu trainieren. Aber bevor ich mich darum kümmere, genieße ich erst mal einen Kaffee. Kurze Zeit später taucht auch Dug’s Frau Barb auf und begrüßt mich. Als ich gestern Abend ankam, hatte sie sich bereits schlafen gelegt. Wir setzen uns alle nach draußen auf den Balkon. Es ist zwar etwas frisch aber der Kaffee wärmt.

Ich hatte Dug gestern Abend erzählt, dass ich an meinen großen Gepäcktaschen jeweils zwei Schrauben für die Halterung verloren habe und diese nur dürftig mit Schnellspannern gesichert habe. Dug möchte das Problem beheben. Er sucht passende Schrauben und Muttern raus und macht sich an die Arbeit. Ich kümmere mich unterdessen um den platten Reifen. Es ist derselbe Reifen, den ich gestern Abend an der Raststätte geflickt habe. Wie sich herausstellt, habe ich den Flicken wohl nicht gründlich genug angebracht. Ich tausche ihn durch einen neuen aus und versuche anschließend wieder den Mantel auf die Felge zu heben. Dabei zerbreche ich einen meiner Mantelheber und muss mir durch Dug aushelfen lassen. Schließlich zeigt er mir, wie er den Mantel zurück auf den Reifen liftet. Er macht dies ohne Werkzeug sondern nur mit seinen Händen, wobei er Handschuhe trägt.

Ich, Barb, Dug (v.l.n.r.)

Nachdem wir mit den Reparaturen fertig sind, gibt es Frühstück. Und zwar kanadische Pancakes mit Ahornsirup. Yummi. Anschließend plane ich meine Route bis Victoria. Eigentlich wollte ich weiter entlang der Küste radeln und dann über Shawnigan Lake nach Victoria fahren. Dug überzeugt mich allerdings ein etwas längere Route über Lake Cowichan und Port Renfrew zu nehmen. Das ist eine Tour für zwei Tage. Da es mittlerweile allerdings bereits nach 12:00 Mittags ist, muss ich die Tour vielleicht auf drei Tage aufteilen. Da ich aber bereits eine Unterkunft in Victoria für in zwei Tagen organisiert habe, möchte ich das gerne vermeiden und beeile mich endlich loszukommen.

Als ich das Fahrrad bepacke, habe ich das Gefühl, dass der Hinterreifen wieder ein wenig Luft verloren hat. Ich pumpe ihn nochmals auf und hoffe, dass ggf. das Ventil nicht richtig zugedreht war. Ohnehin will ich noch kurz im Fahrradladen in der Stadt halten um mal wieder mein Vorrat an Flicken aufzufüllen. Als ich dort nach kurzer Fahrt ankomme, ist bereits wieder etwas Luft entwichen. Ich beschließe, dass es an der Zeit ist mal was neues auszuprobieren. Im Fahrradladen lasse ich den Schlauch im Hinterreifen austauschen und mit einem Pannenspray präparieren, welches kleinere Löcher selbständig füllen soll. Der Mechaniker findet im Mantel mal wieder ein Stück Reifendraht welches ich übersehen hatte. Ich lasse auch noch meine Kette ein wenig spannen und dann mache ich mich endlich auf den Weg Richtung Lake Cowichan. Es ist bereits nach 14:00h und der angekündigte Regen hat auch eingesetzt.

Welcome to the Jungle

Der Weg zum Lake Cowichan führt größtenteils durch dichten, grünen Regenwald. Der Großteil der Bäume ist mit Moos bewachsen und die Vegetation würde man eigentlich in deutlich südlicheren und wärmeren Gefilden erwarten. Am Lake Cowichan mache ich eine Pause im Restaurant Jakes at the Lake und gönne mir einen großen Burger samt griechischem Salat als Vorspeise und einem Cheesecake als Dessert. Auch wenn ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der üppigen Mahlzeit bereits müde bin, beschließe ich noch ein wenig weiterzuradeln. Noch sind es ca. 180km bis Victoria und ich möchte den Abstand noch ein wenig verringern, damit ich eine Chance habe es morgen tatsächlich bis dorthin schaffe. Und so breche ich auf in die Dunkelheit und schlage nach ca. 20 weiteren km mein Zelt am Straßenrand auf.

Die längste Etappe zum Schluss
Es ist eine ungemütliche und unruhige Nacht. Ich konnte die Heringe für das Zelt nur dürftig auf dem steinigen Untergrund verankern und der Wind schüttelt mich doch ziemlich heftig durch in den frühen Morgenstunden. Ich versuche bis ca. 6 Uhr zu schlafen bevor ich mich schließlich nach draußen wage. Beim Zusammenpacken nimmt der Regen glücklicherweise langsam ab und als ich endlich startklar bin hört er vollständig auf. Ich mache mich auf den Weg auf die bis dato längste Tagesetappe, ich habe über 160km zu bewältigen. Die Berge sind Wolkenverhangen diesen Morgen und ich fahre von einer mystischen Szenerie in die nächste. Um mich zu motivieren und ein wenig zu abzulenken rechne ich in regelmäßigen Abständen aus wieviel Prozent der Strecke ich bereits geschafft habe. So hangle ich mich von 1/10 zu 1/8 usw. Als ich schließlich die ersten 40km (also 25%) abgeschlossen habe, bin ich bereits ca. 3 1/2 Stunden unterwegs. Wenn ich das linear fortschreibe, brauche ich noch über 10 Stunden für die verbleibenden 120km. Glücklicherweise ist der vor mir liegende Abschnitt deutlich flacher und so hoffe ich, dass ich weniger als 9 Stunden dafür benötigen werde. Und tatsächlich erreiche ich Victoria noch vor 19:00 Uhr. Insbesondere die letzten ca. 40 km machen richtig spaß. Ich fahre ich auf dem Galloping Goose Trail, der perfekt für Radfahrer ausgebaut ist. Der Belag wechselt zwischen Schotter und Asphalt. Er führt zunächst noch entlang der Küste, wechselt dann aber bald landeinwärts und ich fahre mal wieder durch Regenwaldgebiet, heute zum Glück ohne Regen.

Und so bin ich trotz der extrem langen Etappe nicht übermäßig erschöpft als ich bei meiner heutigen Herberge ankomme. Ich übernachte bei Jonathan, der in einer Art Kommune mit insgesamt 14 weiteren Personen lebt. Da Jonathan aktuell nicht auffindbar ist, führt mich Chaim im Haus herum. Es gibt insgesamt drei Küchen und mehrere Badezimmer in dem Haus. Es fällt mir schwer, die Orientierung zu behalten und so konzentriere ich mich auf die Fazilitäten im Erdgeschoss. Ich gönne mir als nächstes erst mal eine warme Dusche, bevor ich mich in die Küche begebe und mein Abendessen zu bereite um meinen Kohlehydrate-Speicher wieder aufzufüllen. Nach und nach stellen sich immer mehr Mitbewohner vor und wollen erfahren, was ich bislang so erlebt habe und was meine weiteren Pläne sind. Es herrscht eine entspannt, wuselige Atmosphäre in diesem Haus. Irgendwann taucht dann auch Jonathan auf. Er zeigt mir das Zimmer in dem ich mich ausbreiten kann. Ich mache es mir auf einem Sofa gemütlich. Es schwingt ein wenig Wehmut mit als ich das Licht ausmache und mich schlafen lege – es ist meine letzte Nacht in Kanada. Es sind jetzt exakt 50 Tage vergangen seitdem ich in Whitehorse gestartet bin. Obwohl dies eine lange Zeit ist und ich noch nie so lange am Stück Urlaub gemacht habe – nicht mal als Kind – verging die Zeit wie im Flug. Ich denke, es liegt daran, dass ich nie wirklich lange an einem Ort verweile und jeder Tag vollgepackt ist mit großartigen Eindrücken und wundervollen Begegnungen mit anderen Reisenden oder Einheimischen. Ich bin gespannt, ob sich das in meinem nächsten Reiseziel USA so fortsetzen wird.

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3 Comments
  1. Antworten

    Jaap

    Freitag, der 27. Oktober 2017

    Heel herkenbaar dat rekenwerk! Als ik 40 km in 3 uur reed is dat 13 km/u. Dus de komende 120 km is 9 uur. Dus ik ben op die tijd op mijn bestemming. En dat dan niet vaker dan elke 15 km. En dan zien of mijn aankomsttijd vroeger of later wordt. Ach ja, je moet wat.
    Wat voor buitenbanden heb jij? Schwalbe Marathon?

    • Antworten

      Martijn

      Samstag, der 28. Oktober 2017

      Hoi Jaap,
      ik heb Schwalbe Big Ben. Ik probeer nu vaker op de straat en niet op de pechstrook te rijden. Sinds dien heb dar minder last van.
      Beste Groeten
      Martijn

      • Antworten

        Jaap

        Montag, der 30. Oktober 2017

        Hoi Martijn,
        Ik heb hele goede ervaringen met de Schwalbe Marathon: https://www.schwalbe.com/nl/tour-reader/marathon-plus.html. Die heet ‚onplatbaar‘ te zijn.
        Op mijn tocht van Gibraltar naar huis (4000 km) en naar Istanboel (6000 km) had ik niet één lekke band. Naar Istanboel wel een buitenband zo ver versleten dat ik die heb vervangen. Naar Noordkaap ging ik met oude banden weg, en reed ik wel één keer lek.

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