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Guatemala (Teil 2): Schall, Rauch und Feuer

By on Sonntag, der 10. Juni 2018

Es ist eine der Aktivitäten auf die ich mich schon seit einigen Hundert Kilometern freue. Während meiner Reise habe ich mich oft mit anderen Reisenden, die in entgegengesetzter Richtung unterwegs sind über die jeweiligen Reiseziele unterhalten und mehrere haben mir davon vorgeschwärmt, wie überwältigend es ist den Vulkan Acatenango zu besteigen. Das Besondere ist aber nicht der Vulkan Acatenango, sondern der etwas kleinere aber dafür umso aktivere Vulkan „Fuego“ der sich direkt daneben erhebt und in schöner Regelmäßigkeit Feuer und Asche in den Himmel spuckt.

In Antigua gibt es jede Menge Tourenanbieter, die einem einen Guide sowie das nötige Equipment für die Besteigung und die Übernachtung auf dem Berg zur Verfügung stellen. Bis auf einen entsprechend großen Rucksack habe ich eigentlich alles Notwendige bereits dabei und würde am liebsten auf eigene Faust den Berg besteigen. Von den Erfahrungsberichten anderer Reisender weiß ich, dass dies auf jeden Fall möglich ist. Den notwendigen Rucksack aufzutreiben, der groß genug ist, um mein Zelt, Isomatte, Schlafsack und ausreichend Verpflegung hinaufzutragen, gestaltet sich allerdings schwierig. Man kann hier zwar Rucksäcke mieten, aber nur, wenn man auch die Tour über den jeweiligen Anbieter bucht. Mit ein wenig Aufwand könnte ich sicherlich alles notwendige irgendwie in oder an meinem 25L Rucksack unterbringen. Allerdings wäre der Großteil dann nicht mehr vor eventuellem Regen geschützt. Letztlich entscheide ich mich aus Bequemlichkeit dazu, die Tour über mein Hostel zu buchen. Los geht’s am Morgen nach meiner Ankunft in Antigua.

Die Gruppe mit der ich am nächsten Tag Richtung Vulkan aufbreche umfasst insgesamt 12 Personen. Unser Guide heißt „Woody“ und ist ein angenehmer Naturbursche aus den USA. Er versprüht eine angenehme Energie und er ist mir sofort sympathisch. Er hat kürzlich den PCT (Pacific Crest Trail) gemeistert und sein nächstes Abenteuer führt ihn mit dem Fahrrad nach Santiago de Chile von wo aus er den „Rest“ bis nach Ushuaia wandern möchte. Unterstützt wird er noch von Milton – einem guatemaltekischen Guide – und Philippe, einem Volunteer aus dem Hostel.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem Café in Antigua fahren wir mit dem Shuttle Bus nach La Soledad, dem Start des Trails. Hier sind wir bereits auf 2400 Metern. Einige geschäftstüchtige Dorfbewohner bieten den Wanderern hier Stöcke für eine Leihgebühr von 5 Quetzal pro Stück an (ca. 80 Cent). Die meisten leisten sich zwei, aber ich miete nur einen, da ich eine Hand für meine Kamera frei haben möchte. Ich hoffe, dass sich das später nicht rächt. Die ersten Meter des Trails sind sehr moderat und führen durch Farmland. Die größte Gefahr stellt hier der Stacheldraht dar, mit dem die Felder eingezäunt sind und an denen man sich schnell die Kleidung oder den Rucksack aufreißen kann, wenn es mal ein wenig enger wird. Aber alle meistern dieses erst Stück ohne Beschädigungen und nach kurzer Zeit erreichen wir die ersten Bäume des Nebelwalds. Der Weg wird nun steiler und auf dem losen Gemisch aus Geröll und Sand ist es nicht einfach den notwendigen Gripp zu finden. Der Wanderstock erweist sich hier bereits als sinnvolle Investition. Insgesamt schlagen wir ein moderates Tempo an. Meinetwegen könnten wir etwas zügiger aufsteigen, aber Woody ist erfahren genug, um niemanden zu überfordern und baut immer wieder Pausen ein, damit die letzten der Gruppe wieder aufschließen können. Gegen vier Uhr nachmittags erreichen wir dann schließlich das Basislager in 3300 Metern Höhe. Von hier hat man bereits einen perfekten Blick auf den „Fuego“. In schöner Regelmäßigkeit on ca. 30 bis 40 Minuten ertönt eine laute Explosion und der Vulkan schleudert eine riesige Menge Asche und Lava in die Höhe. Die Aschewolke nimmt dabei oft die Form eines Atompilz‘ an, wenn auch nicht so groß. Solange es hell ist, kann man die Lava nur schwer oder gar nicht erkennen. Aber wir bleiben ja über Nacht.

Auch wenn man vom Basislager bereits einen guten Blick auf die Explosionen des Fuego hat, wollen wir noch ein wenig näher ran. Nachdem wir unser Nachtlager vorbereitet und unsere Rucksäcke einige Kilogramm leichter sind, ziehen wir gemeinsam los. Hierzu müssen wir zunächst wieder ca. 300 Meter ab- und auf der anderen Seite wieder aufsteigen. Immer wieder sind die lauten Explosionen zu hören, nur leider sind sie jetzt nicht mehr zu sehen. Dichter Nebel hüllt sich um die Spitze des Fuego. Und auch dieser Zustand wärt nicht allzu lange. Kurz bevor wir den geplanten Punkt für den perfekten Blick auf den speienden Vulkan erreichen zieht auch noch ein heftiger Regenschauer auf. Ich schaffe es nur mit Mühe meine Regenjacke überzuziehen. Es dauert so lange, dass meine oberste Kleidungsschicht schon ordentlich durchgeregnet ist. Das meine Regenjacke nicht mehr 100% Wasserdicht ist führt letztendlich dazu, dass der Regen nach und nach durch alle Lagen meiner Kleidung durchdringt. Woody, unser Guide, schaut immer besorgter. Denn das Donnergrollen was wir nun vermehrt hören, stammt nicht vom Fuego, sondern es ist ein ordentliches Gewitter aufgezogen. Aufgrund des Nebels sind die Blitze nicht zu erkennen und die Donnerschläge des Gewitters sind nur schwer von den Explosionen des Fuego zu unterscheiden. Woody erklärt uns, dass man das Gewitter daran erkennen kann, dass einem Donner im Gegensatz zu einer Fuego-Eruption kein Echo folgt.

Da wir bei einem Gewitter auf der exponierten Aussichtsebene ziemlich ungeschützt wären, harren wir zunächst ca. 100m unterhalb der Spitze aus und warten die Entwicklung ab. Ein paar andere Gruppen, die von lokalen Guides geführt werden, ziehen in dieser Zeit an uns vorbei. Wenn unser Tourguide evtl. etwas zu vorsichtig agiert, so sind die anderen doch zum Teil fast fahrlässig und unvorbereitet unterwegs. Das Gewitter scheint sie nicht großartig zu kümmern und auch die Ausrüstung mancher Teilnehmer ist für eine Wanderung in diesen Höhen und bei diesen Witterungsbedingungen schon arg minimal. Mehrere ziehen in kurzer Hose und T-Shirt an mir vorbei und haben keine schützende Regenkleidung dabei. Nach einiger Zeit klart es zum Glück ein wenig auf und wir entscheiden noch schnell die verbliebenen Meter aufzusteigen und dann zügig der Rückweg anzutreten. Für weniger als eine Minute haben wir einen fast klaren Blick auf den Krater, aber als ich endlich meine Kamera hervor gekramt habe und Philippe um ein Foto bitte ist es schon wieder zugezogen.

Nun geht es zügig zurück zu unserem Basislager. Die letzte halbe Stunde wandern wir durch absolute Dunkelheit. Der Weg, der auf dem Hinweg schon nicht besonders einfach war, ist durch den Regen und das fehlende Licht noch eine Stufe beschwerlicher geworden. Die kniffligste Stelle ist eine kleine Schlucht, die man über einen Baumstamm passieren muss. Letztlich sind alle erschöpft und froh als wir endlich wieder das Basislager erreichen. Dort hat Milton bereits ein Lagerfeuer aufgesetzt und ist dabei das Abendessen vorzubereiten. Wir scharen uns alle um die Flammen und versuchen nach und nach alle unsere nassen Klamotten zu trocknen. Dieses Vorhaben dauert bei mir bis spät in die Nacht aber ich schaffe es tatsächlich alle Schichten wieder mehr oder weniger zu trocknen. Den Aufstieg begießen wir mit Wein aus Tetrapacks und grillen dazu ein paar Marshmallows. So langsam verziehen sich auch wieder die Wolken und geben den Blick auf den Fuego wieder frei. Die Pyroshow, die der Fuego diesen Abend liefert, ist gewaltig. Immer wieder erhellt sich der Himmel rot gefolgt von einem lauten Knall und begeisterten „Wow“ Rufen. Nach und nach ziehen sich die Teilnehmer der Gruppe in ihre Zelte zurück. Als der Fuego in einem geheimnisvollen Dunst aus Wolken verschwindet, wähle auch ich den Weg ins Zelt. Jetzt freue ich mich, dass ich die Strapazen auf mich genommen habe, und mein eigenes Zelt den Berg hinaufgeschleppt habe. Während die anderen sich jeweils zu viert ein Nachtlager teilen, mache ich es mir in meinem gewohnten Heim gemütlich.

Die Nacht ist nur kurz. Um vier Uhr trommelt Woody die Truppe zusammen und kurze Zeit später sind wir auch schon unterwegs zum Gipfel des Acatenango. Mit jedem Meter den wir aufsteigen nimmt die Vegetation ab und der kalte Wind trifft uns umso härter. Auf dem Krater angekommen, bläst es so heftig, dass ich immer wieder Pausen beim Fotografieren einlegen muss, um meine Hände aufzuwärmen. Der Blick, den wir diesen Morgen genießen dürfen, entschädigt aber für all die Strapazen der vergangenen 20 Stunden. Wir haben eine perfekte Sicht auf den Fuego und auch die Spitze des „Agua“ ragt aus einem Meer an Wolken hervor. Nach ca. 30 Minuten auf dem Gipfel treten wir den Rückweg an. Im Basislager angekommen, bauen wir unsere Zelte ab und packen unsere Rucksäcke. Als Frühstück gibt es Bananenbrot und Kaffee. Ich habe mich auf meiner Reise oft über die Backwaren in Zentralamerika beschwert, aber dieses Bananenbrot ist das mit Abstand beste, was ich bis dato gegessen habe. Mit Nutella oder Erdnussbutter schmeckt es sogar noch besser.

Der anschließende Abstieg wird zu einer Rutschpartie, wie ich es bereits beim Aufstieg befürchtet hatte. Trotz der Unterstützung des Wanderstocks finde ich mich des Öfteren auf meinem Hintern zurecht. Glücklicherweise fällt es sich auf dem Geröll so sanft, dass ich ohne größere Blessuren wieder den Beginn unserer Wanderung erreiche. Unser Shuttlebus wartet bereits auf uns. Während alle nach und nach eintrudeln und unsere Rucksäcke auf dem Dach verzurrt werden, gönnen wir uns ein Bierchen. Es ist zwar erst ca. 10 Uhr morgens, aber nach den Strapazen kommt dies auch eher einem Feierabendbier gleich. Außer Ausspannen mache ich den Rest des Tages dann auch nicht mehr viel. Ich fühle mich ähnlich erschöpft, wie nach einer sehr langen Bergetappe allerdings mit dem Bonus von langsam einsetzenden Muskelschmerzen in den Waden. Dieses Abenteuer werde ich noch ein paar Tage spüren.

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