Guatemala Travel

Guatemala (Teil 1): Atitlan und Antigua

By on Mittwoch, der 23. Mai 2018

Ein verregneter Start in Guatemala
Die ersten Regentropfen fallen vom Himmel als ich gerade aus dem Hotel in Paso Hondo auschecken möchte. Zunächst ist es ein sanfter Nieselregen der sich aber innerhalb kürzester Zeit in einen ordentlichen Dauerregen verwandelt und der Gedanke den ganzen Morgen oder Tag durch einen solchen Schauer radeln zu müssen missfällt mir. Ich lasse meinen ursprünglichen Gedanken erst nach der Grenze zu frühstücken fallen und suche einen kleinen Comedor (in der Regel sehr günstiges kleines Lokal) auf. Was gar nicht so einfach ist diesen Sonntagmorgen, denn viele Läden sind noch geschlossen. Nachdem ich mein Fahrrad halbwegs vor dem Regen geschützt geparkt habe, nehme ich im Comedor Platz. Ich bin noch der einzige Gast diesen Morgen und die Eigentümerin empfiehlt mir einen anderen Platz, da das Dach über mir ein paar undichte Stellen aufweist.
Nachdem ich fertig gefrühstückt habe warte ich noch ein wenig bis das Trommeln der Regentropfen auf dem Wellblechdach langsam abnimmt. Als ich endlich den Entschluss getroffen habe aufzubrechen und bereits gezahlt habe betritt ein Motorradfahrer das Lokal. Trotz seiner Regenkleidung scheint er vollständig durchnässt zu sein. Er fragt mich, in welche Richtung ich aufbrechen möchte. Als ich ihm antworte, dass ich über die Grenze möchte, schüttelt er seinen Kopf. Er kommt von dort und behauptet der Regen wäre auf der anderen Seite deutlich stärker und ich solle noch ein wenig ausharren wenn ich nicht genauso nass werden möchte wie er. Ich folge seinem Rat und folge ihm zurück in das Restaurant und trinke noch einen weiteren Kaffee.
Sein Name ist Eric und er spricht sehr gutes Englisch und ist sehr interessiert an meiner Reise. Er fragt mich auch nach negativen Erlebnissen und ich berichte ihm von dem Vorfall in Chiapas. So etwas würde mir in Guatemala nicht passieren erklärt er mir. Ich könne mich auf die Guatemalteken verlassen. Wenn irgendjemand es wagen würde mich zu berauben oder anderweitig zu bedrohen, gäbe es immer Einen mit einer Pistole in der Nähe der eingreifen würde. Während er das sagt greift er demonstrativ mit seiner rechten Hand an seine Hüfte um auf seine Waffe hinzudeuten. Ich bin ein wenig perplex und vergewissere mich, ob er tatsächlich gerade mit der Waffe die Grenze passiert hat. Für ihn scheint das nichts Außergewöhnliches zu sein. Er meint, die Mehrheit der Guatemalteken besäße Waffen, da sie der Polizei nicht trauen würden. Ich weiß nicht so ganz, was ich davon halten soll und hoffe darauf, dass ich ohne Unterstützung eines Guatemaltekischen Waffennarr klarkomme.
Nach fast einer weiteren Stunde im Restaurant breche ich dann doch endlich auf Richtung Grenze. Die dunklen Wolken über den Bergen in Guatemala haben sich verzogen und auch Eric ist der Meinung, dass der schlimmste Part jetzt vorbei ist. Leider ist es nun bereits ziemlich spät und mein ursprünglicher Plan es innerhalb von zwei Tagen bis zum Lago de Atitlan zu schaffen ist bereits obsolet. Um 12:15 erreiche ich die Grenze und ein paar Minuten später habe ich einen neuen Einreisestempel in meinem Reisepass und setze meine Reise in Land Nummer vier fort.

Heftige Anstiege und stinkende Busse
Ich benötige insgesamt drei Tage um zum Lago de Atitlan zu gelangen. Auf dem Weg dorthin mache ich Halt in Hueuetenango und Quetzaltenango (die meisten nennen es aber Xela). Martin – der mir ein paar Tage voraus ist – hat mich bereits vor dem bergigen Terrain auf der Route gewarnt. Ich solle mich auf ordentlich Höhenmeter und ein paar knackige Steigungen (und Abfahrten) gefasst machen. Normalerweise liebe ich diese herausfordernden Touren durch die Berge aber aufgrund des Wetters fällt es mir schwer das dieses Mal zu genießen. Die meiste Zeit sind die Bergkuppen um mich herum in Wolken oder dichtem Nebel gehüllt, wenn es nicht gerade regnet und man noch weniger sieht. Was man in Guatemala auf der Straße unweigerlich sieht, hört und riecht sind die sogenannten „Chicken Busses“. Das sind ausrangierte US Schulbusse, die liebevoll und bunt bemalt sind und hier für den Linienverkehr überall im Land eingesetzt werden. Diese Vehikel mögen zwar schön anzusehen sein aber sie sind auch eine der größten Gefahren für einen Radreisenden. Soweit ich verstanden habe, werden die Fahrer und sein Gehilfe (Ayudante) im Akkord (bzw. anteilig am Ticketerlös) bezahlt und so entsteht ein heftiger Konkurrenzkampf zwischen den Fahrern um die Fahrgäste an der nächsten Haltestelle vor der Konkurrenz abzugreifen. Entsprechend abenteuerlich ist der Fahrstil. Sie sind konstant am Überholen, selbst in kaum einsehbaren Kurven. Zu diesem Zweck hängt sich der Ayudante vorne aus der Tür und kommuniziert per Handzeichen mit den anderen Verkehrsteilnehmern um dem Chickenbus falls nötig wieder Platz zum Einscheren zu verschaffen. Auf Radfahrer am Straßenrand achten sie nicht besonders und meist überholen sie mich nur mit minimalem Abstand und hüllen mich zudem noch in eine schwarze, stinkende Abgaswolke gigantischen Ausmaßes ein. Selbst ein 80 Jahre alter Lanz Bulldog verbrennt sauberer. Um mich wenigstens ein wenig zu schützen nutze ich einen meiner Buffs und ziehe ihn mir über Mund und Nase.

Auf den letzten 10 km bevor ich schließlich den See erreiche erwartet mich das wahrscheinlich schwierigste Terrain meiner Reise bis lang. Obwohl es überwiegend bergab geht mit zum Teil Gefälle von bis zu 20% gibt es auch immer wieder kleine giftige Anstiege mit fast ebenso heftigen Steigungen. Da es bereits dunkel zu werden beginnt und ich immer noch einige km vom See entfernt bin, entschließe ich mich dazu von meinem ursprünglichen Plan in San Pedro zu übernachten und steuere stattdessen San Marcos an. Das macht zwar nur ein paar km Unterschied aus aber ich habe mittlerweile einen Punkt erreicht an dem ich so schnell wie möglich ein Hostel oder Hotel erreichen möchte. San Marcos liegt direkt am See und ich buche mich in einem Hostel ein, welches extrem populär bei Hippies zu sein scheint. Mehr als 30 Personen sitzen um ein Lagerfeuer und sind wie wild am Trommeln. Ich bleibe hier zwei Nächte um mich ein wenig von den Strapazen der letzten Tage zu erholen.

Die Regensaison naht
Von San Marcos sind es ca. 135km bis nach Antigua. Um ein wenig abzukürzen nehme ich die Fähre über den See nach Panajachel. Die kürzeste Route ab dort hat lediglich eine Distanz von ca. 80 km. Und obwohl diese wieder viele Höhenmeter und ordentliche Steigungen beinhaltet bin ich überzeugt mein Tagesziel noch vor Anbruch der Dunkelheit zu erreichen. Aber leider läuft nicht immer alles nach Plan, bzw. Google Maps hat nicht immer die aktuellsten Informationen über blockierte Straßen aufgrund von Erdrutschen. Nicht mal Clemens – ein deutscher Künstler aus Oerlinghausen – mit dem ich mich auf dem Boot unterhalte und mich nach der Straße erkundige schien davon zu wissen. Er meinte lediglich, dass es auf der Route schon mal zu Überfällen kommen könne, das wäre dann aber meistens vor Weihnachten, wenn das Geld für Geschenke knapp ist. Zur Sicherheit erkundige ich mich auch nochmal beim Busterminal bzgl. der Sicherheit und erhalte dort dieselbe Antwort bzgl. Weihnachten aber keinen Hinweis bzgl. der Sperrung. Letztlich zwingt mich die Straßensperrung zu einem Umweg von ca. 10km und noch einmal ein paar zusätzlichen Höhenmetern. Wenn ich in Patzun endlich wieder auf die ursprünglich geplante Route zurückkehre ist es bereits ziemlich spät und ich bin mir nicht mehr so sicher, ob ich es noch rechtzeitig bis Antigua schaffen kann. Aber lange muss ich nicht grübeln, denn nur ein paar Minuten später werde ich vom Regen überrascht. Es startet mit ein paar dicken Tropfen aber wandelt sich innerhalb kürzester Zeit in ein heftiges Unwetter. Ich schaffe es noch so gerade eine Plastiktüte über meine lädierte Lenkertasche zu ziehen bevor es in Strömen regnet. Meine Regenjacke wage ich erst gar nicht aus der Gepäcktasche zu holen – bei dem Versuch würden wahrscheinlich alle anderen Klamotten sofort klatschnass und abgesehen davon bin ich das auch schon und so würde die Regenjacke jetzt auch nicht mehr viel ändern. Weiterradeln macht jetzt ohnehin keinen Sinn mehr und ich rette mich noch zu einem kleinen Kiosk wo ich mich für die schlimmste Zeit des Regens unterstellen kann. Es ist nun offensichtlich, dass ich Antigua heute nicht mehr erreichen werde. Nachdem der Regen endlich aufgehört hat radel ich noch bis Patzicia weiter und gönne mir ein Hotel direkt neben der Panamericana.

Am nächsten Tag ist es dann nur noch einen kurzer und angenehmer Ritt bis Antigua. Nach 36km und ca. 2 Stunden erreiche ich die Pflastersteinstraßen der Stadt. Das macht als Radfahrer natürlich nur bedingt spaß, insbesondere mit dem ganzen Equipment was ich auf mein Rad geladen habe. Da es immer noch früh ist, stoppe ich zunächst am Parque Central für einen Kaffee wo mir auch zufällig Martin wieder über den Weg läuft bevor ich weiter zu meinem Hostel radel.

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