Canada Travel

Berge, Seen, Gletscher und zwei Pannen

By on Freitag, der 22. September 2017

Wie in meinem letzten Beitrag angekündigt, wollte ich es in Jasper und Banff etwas ruhiger angehen lassen. Statt der üblichen 100km pro Tag habe ich kleinere Touren gemacht und auch den ein oder anderen Trail entlang der Strecke erkundet. Schon bevor ich in den Nationalpark Jasper reinfahre muss ich mehrfach stoppen um die umwerfende Szenerie der sich auftürmenden Berge zu fotografieren. Zum Teil radel ich nur ein paar 100m zwischen zwei Aufnahmen, da die leicht veränderte Perspektive schon wieder ein neues atemberaubendes Motiv hervorzaubert.

In Jasper mache ich einen längeren Halt und versuche endlich das Problem mit meinem kaputten Licht beheben zu lassen. Aber alle drei Fahrradläden in der Stadt sind eher auf Mountain Bikes spezialisiert und die kommen ohne jegliche Elektronik aus. Der Mechaniker im Freewheel Jasper versucht sich trotzdem an dem Problem, bricht dann jedoch irgendwann ab, da er den Fehler nicht finden kann. Stattdessen bemerkt er jedoch, dass in der Gabel zu viel Spiel ist und repariert zumindest das. Ab nun sollte das Vorderrad nicht mehr so stark vibrieren wenn ich mich kopfüber in eine Abfahrt stürze. Das Lichtproblem muss ich dann wohl in Vancouver nochmal angehen. Dort sollte es hoffentlich einen entsprechend spezialisierten Fahrradladen geben. Bis dahin kann ich mir mit meiner Stirnlampe aushelfen.

 

Ab Jasper beginnt der Icefield Parkway und der spielt nochmal in einer ganz anderen Liga als der Alaska Highway. Er ist zwar bedeutend kürzer, aber die Szenerie ist fast durchgehend atemberaubend. Es ist eine Prachtstraße der Natur und obwohl sie nur ca. 230km lang ist, macht es Sinn sich mehrere Tage Zeit zu nehmen. Entlang der Strecke gibt es Wasserfälle, Gletscher und jede Menge Hiking Trails die man erkunden kann. Nachdem ich zwei Nächte in den Wilderness Hotels Athabasca Falls und Beauty Creek verbracht habe, steht am nächsten Tag der Sunwapta Pass an. Der höchste Punkt liegt bei 2035m. Ziemlich bald nachdem ich vom Beauty Creek Hostel aufbreche, geht es auch schon aufwärts und ab. ca. 1800m setzt leichter Schneefall ein. Und obwohl das Thermometer weiter auf 1 Grad Celsius absinkt habe ich nicht das Verlangen die lange Hose bzw. eine weitere Jacke anzuziehen. Als ich den Glacier Skywalk erreiche setzt so starker Schneefall ein, dass ich nur noch einige Meter weit gucken kann.

 

Ich kann zwar nicht mehr weit sehen, allerdings höre ich auf einmal ein merkwürdiges Geräusch, dass sich mit jeder Radumdrehung wiederholt. Ich stoppe und schiebe mein Rad langsam vorwärts und in meinem Hinterrad kommt eine ca. 1cm dicke Schraube zum Vorschein, die sich in den Mantel gebohrt hat. Beim Entfernen der Schraube ertönt sofort das Geräusch entweichender Luft.

Entnervt schmeiße ich die Schraube in das Columbia Icefield neben der Straße. Nachdem ich am Morgen bereits einen Platten am Vorderrad geflickt habe und die Temperaturen um den Gefrierpunkt gesunken sind, habe ich wenig Lust ein weiteres mal einen Reifen zu flicken. Da das Icefield Center nicht mehr weit ist, beschließe ich so schnell wie möglich dort hinzuradeln solange noch Luft auf dem Reifen ist und den Reifen dort zu flicken.

 

Dort angekommen, muss ich mich erst mal aufwärmen und was essen. Als ich aufgewärmt und gestärkt wieder zu meinem Fahrrad komme, ist der Hinterreifen komplett platt. Da ich meinen einzigen Ersatzschlauch am Morgen für das Vorderrad verwendet habe, muss ich den Schlauch flicken. Schnell finde ich das große Loch im Schlauch und klebe den Flicken drauf. Beim anschließenden Aufpumpen stelle ich jedoch fest, dass das noch nicht alles gewesen sein kann. Ich kann gar nicht so schnell pumpen, wie die Luft entweicht. Schnell finde ich zwei weitere Löcher und flicke auch diese. Aber auch der zweite Versuch, den Schlauch wieder aufzupumpen ist ähnlich erfolglos. Letztlich verbrauche ich alle meine Flicken und hoffe, dass nun alle Löcher gefixt sind. Aber auch der letzte Versuch den Schlauch wieder aufzupumpen schlägt fehlt. Es scheint als hätte mir jemand eine Ladung Schrot in den Schlauch gejagt. Es ist mittlerweile 19:00 Uhr und der Parkplatz des Icefield Centers leert sich zunehmend. Ich halte vergebens nach Pickups Ausschau, die mich vielleicht bis zum nächsten Hostel bringen können. Ich muss noch ca. 40km bis zum Hostel zurücklegen und die Sonne geht bald unter. Aber für Panik ist es noch zu früh. Ich beschließe, dass dieser Schlauch nicht mehr zu retten ist und nehme stattdessen, den kaputten Schlauch den ich am Morgen aus dem Vorderrad ausgebaut habe. Da ich keine Flicken mehr habe, zerschneide ich den unbrauchbaren Hinterradschlauch und fertige mir daraus Flicken und schaffe es damit tatsächlich den Reifen wieder zu reparieren. Es ist nun bereits nach  19:30 Uhr und es dauert höchstens noch eine Stunde bis es vollständig dunkel ist.

 

Glücklicherweise geht es von nun an fast nur noch bergab. Ich fahre so schnell es geht den Berg hinab, stoppe jedoch das ein oder andere mal um mich zu vergewissern, dass der Hinterreifen tatsächlich hält. Ca. 10 km vor dem Hostel ist es dann aber stockdunkel – ich setze meine Stirnlampe auf und fahre weiter. Glücklicherweise hält sich der Verkehr heute in Grenzen. Als ich endlich das Hostel erreiche, kommt mir der Manager bereits entgegen und erkundigt sich ob ich Martijn bin. Er ist erleichtert, dass ich endlich da bin, genauso wie ich. Das war mit Sicherheit der nervenaufreibendste Tag auf meiner Tour bislang. Jetzt wo ich aber endlich im Hostel angekommen bin, ist dies alles schnell vergessen. Erst recht als ich erfahre, dass es hier sogar eine Sauna gibt. So kommt der Tag doch noch zu einem guten Ende.

 

Da ich am Vortag aufgrund des schlechten Wetters und meiner Pannen wenig von der Schönheit der Gletscher erkunden konnte, beschließe ich eine weitere Nacht im Hostel zu bleiben und eine Tour mit leichtem Gepäck zu unternehmen. Ich fahre also den Sunwapta Pass noch mal von der anderen Seite rauf und unternehme eine Wanderung auf dem Wilcox Pass. Eine Entscheidung die sich definitiv gelohnt hat. Die Sonne kommt immer wieder durch die Wolken und zaubert malerische Anblicke auf die Bergspitzen und Gletscher die man auf diesem Trail bewundern kann.

 

Am nächsten Tag geht es weiter nach Lake Louise wo der Icefield Parkway endet. Der Lake Louise und Lake Moraine liefern noch mal ein weiteres Highlight bevor ich gen Westen auf den Transcanada Highway abbiege und nun durch den Yoho National Park fahre. Ich mache einen Abstecher zu den Takakkaw Falls. Beim Anblick des Wasserfalls bin ich dann doch ein wenig enttäuscht, dass ich hierfür über 25km Umweg auf mich genommen habe und zudem noch 400m klettern musste. Der Wasserfall ist zwar sehr tief (bzw. hoch) aber die Wassermassen sind doch überschaubar. Weiter geht es über die Stationen Golden, Revelstoke, Salmon Arm bis nach Kamloops wo ich die letzte Nacht verbracht habe. Heute steht nur eine kleine Etappe bis Savona an, bevor es dann weiter Richtung Whistler und Vancouver geht. Die nächsten Highlights auf meiner Tour durch Kanada. In Vancouver habe ich dann auch mind. 2 Tage eingeplant. Endlich…

TAG

Dienstag, der 26. September 2017

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4 Comments
  1. Antworten

    Lukas

    Samstag, der 23. September 2017

    Hallo Martijn,
    Sind ja richtige Abenteuer die du da erlebst.
    Weiter so und ich drücke die Daumen, dass dich Wille und Glück nicht im Stich lassen.
    Grüße
    Lukas

  2. Antworten

    Pieter

    Samstag, der 23. September 2017

    Wow, was für eine starke und fesselnde Geschichte! Danke für dieses Geburtstagsgeschenk aus der Ferne. Viel Glück auf den kommenden Kilometern!
    Pieter

  3. Antworten

    Barrie

    Samstag, der 23. September 2017

    Das muss echt ein katastrophaler Tag für dich gewesen sein. Aber was für eine starke Geschichte ist daraus geworden! Und das an so einem Tag Einer Ausschau nach dir gehalten hat gibt mir ein bisschen Gänsehaut…….Schade das du die Schraube weggeworfen hast!!!
    📌

  4. Antworten

    Purvi

    Dienstag, der 26. September 2017

    Hallo Martijn,

    Das Bilder sind sehr schön! Viel Spaß und bleib sicher 🙂

    Viele Grüße
    Purvi

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